logo

Spielwiese für Nachdenkliche:
Nachgefragt ... Nachgehakt ...

Ausführliches zu Spielwiese für Nachdenkliche

Das Dilemma


Zitat


Wie alle Textproduzenten stehen insbesondere die Verfasser von Vermittlungstexten vor einem Dilemma. Ihre sachbezogene Maxime lautet: "Sage, was zu sagen ist", während die adressatenbezogene Maxime fordert: "Rede so, dass dein Partner dich versteht". (Drewer 2003:106)


Meinung


"Sachangemessenheit" und "Adressatenangemessenheit" bereiten mir Kopfzerbrechen. Oder auch nicht. Meine Erfahrung lehrt mich, dass ich nichts erreiche, wenn ich es in Worten des Adressaten ausdrücke. Ich bestätige ihn nur in seinem Denken. Ich habe keine Chance. - Wenn ich es so ausdrücke, wie ich es sagen will, habe ich wenigstens eine geringe Chance, den Adressaten wachzurütteln.

Es besteht ein weiterer Unterschied: Sage ich es, wie ich es meine - oder wähle ich meine Worte so, dass ich meine, was ich sage? Zum Beispiel die "Vollständige Induktion".

Die "Vollständige Induktion" beruht darauf, dass es abzählbar unendliche Mengen gibt, deren Elemente Eigenschaften haben, die ich nicht bis in alle Unendlichkeit überprüfen kann. Also muss ich eine Induktionsvoraussetzung formulieren, mit deren Hilfe ich von der Eigenschaft des n-ten Elementes auf die Eigenschaft des (n+1)-ten Elementes schließen kann. Dann kann ich nämlich argumentieren, dass das (n+1)-te Element genauso gut Induktionsanfang sein kann wie das n-te Element. Das (n+1)-te Element rückt an die Stelle des n-ten Elementes.

So erkläre ich mir "Vollständige Induktion". Ich meine damit, dass Mathematik Eleganz besitzt. Und dass der Mathematiker ein Erfinder ist. Statt "Erbsen zu zählen" erfindet er die "Vollständige Induktion". Wenn ich so ein Statement loslasse, erfahre ich Kopfschütteln. Wenn ich aber die vielen Worte des Beispieles benutze, habe ich es gut gesagt, aber meine Meinung versteckt sich hinter meinen Worten.



Literatur :
Die kognitive Metapher als Werkzeug des Denkens - Petra Drewer - Tübingen - 2003